Solitär-Werk: Zusammen

Solitär-Werke stehen alleine. Sie gehören zu keiner Serie, sie schleichen sich ein. Grundsätzlich arbeite ich in Serien, aber dann gibt es da diese Bilder, die ein Eigenleben entwickeln, das nicht zur Serie passt.


'Zusammen' ist das Paradebe4ispieol für ein Solitär-Werk. Eigentlich arbeite ich nicht figürlich.  Sobald Figuren auf der Leinwand erscheinen, gehe ich drüber, ich mag es abstrakt. Aber diesmal habe ich auf der Leinwand etwas verarbeitet, für das ich keine Serie geplant hatte. 'Zusammen' zeigt, wie wichtig in den Wintermonaten dieses Gefühl am Krankenbett eines guten Freundes geworden ist. Ich konnte das nicht ignorieren und habe deshalb auf der Website Platz für mein erstes Solitär-Werk geschaffen.


Den ganzen Text dazu gibt's unten.



Wenn ganz unterschiedliche Menschen dieses Zusammen-Gefühl haben - dann ist das wie ein großer Chor mit ganz unterschiedlichen Stimmen und ganz vielen Zwischentönen.



 

Bildname: Zusammen


2026


120 x 100 Mixed Media mit Asche u.v.m.


noch zu haben


Eigentlich bin ich die falsche für den Titel ‚zusammen‘.

Ich habe im Leben vieles selbst und alleine gemacht.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Ich habe mich in der Schwangerschaft getrennt und war alleinerziehend.
Das stimmt, aber es stimmt auch, dass ich kaum jemanden kenne, dessen Kind eine größere Familie hatte. Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen? Mein Sohn und ich hatten dieses Dorf.

Zusammen.

Ich war mehr als 30 Jahre in Führungspositionen mit Personalverantwortung, also allein.
Das stimmt, aber es ist wieder nur die halbe Wahrheit.
Wer sich wirklich mit seiner Verantwortung für sein Team auseinandersetzt, ist immer im Gespräch mit Menschen. Und die besten Gespräche führt man auf Augenhöhe, miteinander – also: zusammen.

Ich bin als junge Frau ein Jahr mit dem Daumen in den ‚Nahen Osten‘ gereist. 
Ohne Geld und ohne Anlass – einfach so und: alleine. Auch das stimmt. Aber, du ahnst es schon, 
der andere Teil der Wahrheit ist: ich bin dabei so vielen Menschen begegnet und hab mich ganz oft in dieser Zeit überhaupt nicht allein gefühlt, sondern: zusammen.

Im Moment gehe ich einen neuen unbekannten Weg. Ich habe mich für meine Kunst entschieden. 
Selbst und alleine. Autodidaktisch, ohne Kunststudium, ohne Meister, ohne Angst. Ich bin alleine losgegangen, aber ich begegne so vielen Menschen und bin ununterbrochen im Austausch. 
Da ist ganz viel ‚zusammen‘.


In den letzten drei Jahren habe ich einen sehr guten Freund bei seiner Krebsdiagnose begleitet.
Sein soziales Netz war in der ganzen Welt gespannt, zuhause war er oft alleine.
Manchmal war er mit mir alleine, oder auch zusammen – das war nicht immer leicht zu erkennen.
Im Januar haben wir ihn begraben. Ich sage wir, denn wir haben es zusammen gemacht.
Und in dieser Zeit ist das Bild entstanden, unbewusst und ohne Serie, ein Einzelstück, ein Solitair,
ein Bild, das Platz braucht. 
Platz für ‚zusammen‘.


Zusammen ist nicht das Gegenteil von alleine, sondern nur die andere Seite der Medaille. 
Vielleicht braucht es beide Erfahrungen um den jeweiligen Zustand richtig zu spüren.
‚Zusammen‘ kann wunderschön sein, aber manchmal eben auch zu viel.
‚Allein und selbst‘ kann wunderschön sein, aber manchmal eben auch zu wenig.

Als ich dieses Werk gemalt habe, hat sich ‚zusammen‘ gut angefühlt.
Wie ein Kokon, der sich in einem Moment um etwas sehr Kostbares spinnt.
‚Zusammen‘.