Erinnern, satt werden, wiederkehren!
Ich bin groß geworden auf einem ostfriesischen Hof zwei Kilometer vom Deich entfernt in Westermarsch direkt am Wattenmeer. Dort liegt einer der wichtigsten Rastplätze für Zugvögel im europäischen Vogelzug.
Zweimal am Tag verwandelt Ebbe und Flut die Landschaft:
Wasser. Schlamm. Spiegel. Linien.
Für einen Zugvogel ist das kein romantisches Idyll.
Es ist ein hochkomplexes Informationsfeld voller Differenzierungen und Zwischentöne.
Das Watt erscheint Zugvögeln nicht grau.
Es ist eine topografische Partitur aus Feuchtigkeit, Struktur und Mikrobewegung.
Ein Zugvogel sieht kein Grau.
Er sieht Nahrung.
Windrichtung.
Heimkehr.
Vielleicht sind Zwischentöne nichts anderes
als Überlebenswissen.
